70er Jahre Kinderwagen

In den 1970er Jahren wurde erstmals die Sesamstraße ausgestrahlt, die Sendung mit der Maus erfreute kleine und große Zuschauer, das Spannbettlaken wurde erfunden und die Discowelle hielt Einzug. Die 70er waren bunt, laut und voll verrückter Ideen.

70er jahre mode
bunt, knallig – die 1970er Jahre

So wie ich, glauben sicher viele, die Kinderwagen der siebziger Jahre wären alle kunterbunt und in poppigen Farben. Doch weit gefehlt, denn es gab enorm viele sehr konservative Menschen, die noch sehr lange an den schlichten dunkelblauen Kinderwagen aus vergangenen Tagen festhielten. Vielleicht war vielen jungen Eltern ein Baby genügend Veränderung und Aufregung in ihrem Leben. Da mussten sie wohl nicht noch am modischen Leben teilnehmen. Doch schließlich kamen irgendwann doch die bunten Modelle, aber dann gleich richtig.

Neben poppigen Knallfarben kamen sogar Panoramafenster in den Babyschalen der Kinderwagen auf. Dazu veränderte sich auch das Material der Bezüge, denn neben Skai und Samt war auch plötzlich Lackstoff oder ein Cordstoff auf dem Kinderwagen zu sehen. Sogar mit Stickerei gab es den Cordbezug in den Siebzigern. Einige Modelle aus den Siebzigern glichen eher riesigen bunten Bubbles als einem Kinderwagen.

Verrückte Jahre, verrückte Ideen: Panoramafenster für die frische Aussicht

Die gängigen Kinderwagen sind eher geschlossen, doch in den siebziger Jahren stellte man fest, dass nicht nur die Babys nicht heraussehen konnten, sondern auch die Bewunderer bei einem Ausgang nicht das Baby bestaunen konnten. Meist lag es tief eingebuddelt unter einem großen Kissen. Bei Regen war noch ein zusätzliches Regenverdeck aufgezogen, was den Sinn des ganzen Ausflugs, dass ein Baby an die Luft kommen sollte, irgendwie sinnlos machte. Die Hersteller der Kinderwagen haben dann das Panoramafenster in dem Babykorb entwickelt, das einen kleinen Ausschnitt an den Seiten des Kopfendes mit einem dünnen Kunststofffenster versah.

Musik der 70er Jahre, Nostalgie pur:

Einige Modelle hatten sogar an der Front noch einen durchsichtigen Einsatz. Teilweise waren die durchsichtigen Flächen auch zu verschließen, damit das Kleine nicht in der prallen Sonne liegen musste. Obwohl diese durchsichtigen Einsätze aus heutiger Sicht ganz praktisch erscheinen, haben sie sich nicht einmal bis in die achtziger Jahre hinein gehalten. Warum die Einsätze verschwanden, ist eigentlich nicht ganz klar. Vielleicht lag es aber an neuen Materialien, die es teilweise sogar möglich machten, dass der Bezug vollständig in der Maschine gewaschen werden konnte.

Farbenpracht – harmlos aber bunt

Auch wenn die Farben der Kinderwagen in den Siebzigern sehr poppig daherkamen, waren sie doch nichts im Vergleich zu den Tapeten der Zeit. Die Kinderwagen der Zeit waren meist überwiegend in einer einzelnen Knallfarbe bezogen und hatten höchstens einige Applikationen in einer Kontrastfarbe. Die psychedelischen Muster, die auf der Kleidung oder den Wänden zu finden war, findet sich erstaunlicherweise gar nicht auf den Kinderwagen wieder. Es gibt so gut wie nie mehr als zwei Farben bei dem Design der Kinderwagen aus den siebziger Jahren. Ich hätte wirklich mehr erwartet, was die Farbenpracht der Kinderwagen angeht. Schließlich verbindet jeder die Siebziger mit fröhlich bunten Mustern, die wild und ungeordnet sind.

Der Kinderwagen der Siebziger – zarter und leichter

Die Gestelle der 70er Jahre Kinderwagen sind etwas leichter geworden als ihre Vorgänger aus den sechziger oder fünfziger Jahren. Das liegt zum Teil an einer etwas veränderten Federung. Doch auch der Klappmechanismus wurde etwas verändert, was beides zusammen dazu führte, dass sich das Gestell des Kinderwagens in diesem Jahrzehnt schon viel kleiner zusammenfalten lässt. Das ist auch dringend notwendig, denn inzwischen haben die meisten jungen Familien ein Auto, mit dem auch viele Ausflüge unternommen werden. Ich kann mich zwar nicht an die ersten Jahre erinnern, aber ich habe heute noch jeden Sonntag das Gefühl, ich müsste auf Tour gehen.

Breite Räder – leichte Gangart

Die Räder der Kinderwagen sind in diesem Jahrzehnt zwar noch nicht so breit wie Ende der Achtziger oder in den neunziger Jahren, aber es sind auch keine Räder in unterschiedlichen Größen mehr zu finden. Die Räder haben meistens noch Speichen und sind ein wenig breiter und ganz besonders robust. Dadurch war das Gestell dann auch länger zu nutzen, denn wenn der Aufsatz mit der Babyschale ausgedient hatte, gab es in den Siebzigern auch schon den Aufsatz für eine Sportkarre. Diese Kombination wurde in der Zeit richtig gängig und gebräuchlich. Meist wurde nicht mehr die Babyschale halb auseinandergenommen, sondern der Aufsatz für die Karre war völlig getrennt vom Babyschalenbereich.